Reiseberichte

Ost-West-Durchquerung Australiens im 109er
(von Sandra und Tom Zündel)

Es war gleich nach Weihnachten 1995, dass Sandra und ich nach Australien geflogen sind. Irgendwie haben wir es geschafft fünf Wochen Urlaub zur gleichen Zeit zu bekommen. In Melbourne angekommen beginnen wir mit der Suche nach einem Land Rover für unsere Reise. Leider hat es uns fast eine ganze Woche gekostet einen zu finden. Bei Charly Walker, einem freien Land Rover-Spezi (ca. 80 Jahre alt) sehen wir uns diverse alte Landys an. Auf einem Stuhl sitzt eine ca. 60 Jahre alte Frau und strickt. Charly erklärte uns, dass sie seine Mechanikerin sei, und wir schmunzeln. Wir einigen uns auf einen 109er mit Hard-Top und Charly fährt selbst zum „TÜV“ um das RWC (Road Worthy Certificat) zu erhalten. Als er zurück kommt, teilt er uns mit, dass eine Kardanwelle getauscht werden muss. Wir staunen nicht schlecht, als die ältere Frau tatsächlich im Overall erscheint und auf dem Rollbrett unter unseren Landy fährt. Nach weiteren zwei Tagen sind alle Formalitäten, Reparaturen und Vorbereitungen abgeschlossen. In der ersten Januar-Woche 1996 kann es dann endlich losgehen. Über Lakes Entrance an der Küste Victorias geht es nach Sydney und weiter nach Brisbane.

In Brisbane besuchen wir Freunde und bauen einen kleinen Dachgepäckträger. Bis hierher verläuft unsere Reise durch dicht besiedeltes Gebiet entlang der Ostküste. Der Landy macht keine Probleme, nur eine elektrische Benzinpumpe kaufen wir schon einmal … schlechte Erfahrungen in anderen Urlauben mit anderen Fahrzeugen. Aber nun geht es in das Outback und somit in die Wüste.
Fast genau in westlicher Richtung fahren wir nach Birdsville. Um so weiter wir uns von der Küste entfernen, um so weniger Orte gibt es und um so weniger Menschen begegnen uns. Man kann es in etwa so beschreiben: Dorf – 300 km – Roadhouse – 300 km – Dorf – 300 km – Roadhouse – 300 km – Birdsville. (Auf den letzten 300 km muss ich dann schon mal die Benzinpumpe einbauen …) In Birdsville müssen wir unseren Dachgepäckträger schweißen lassen und dem Besitzer der Tankstelle alle Schilder im Führerhaus seines Bundeswehr-MAN-LKW übersetzen. Er will ihn als Wüstenspielzeug nutzen.

Einmal im Jahr findet hier ein großes Pferderennen statt. Daher ist Birdsville bekannt … und auch, weil viele Menschen auf dem Weg zu diesem Rennen auf dem Birdsville-Track gestorben sind. Und den wollen wir natürlich fahren — den Birdsville-Track! Er ist etwa 500 km lang und führt nach Süden. In Marree mündet die Piste in den Oodnadatta-Track. (In Marree lassen wir den Dachgepäckträger mal wieder schweißen.) Der Oodnadatta-Track wiederum führt entlang der alten Eisenbahnlinie Richtung Alice Springs. Als Off Road Fan ist er die Alternative zum geteerten Stuart Highway. Auch für Eisenbahn-Fans bietet die Strecke einiges.

 

In Oodnadetta gibt es ein kleines Museum für das wir den Schlüssel einfach so in die Hand gedrückt bekommen. Es erzählt die Geschichte des „Ghan“, so wurde der Zug nach Alice genannt. Der Name kommt von den Afghanen, die vor der Eisenbahn mit ihren Kamelen für den Transport von Waren nach Alice zuständig waren. Bevor der Oodnadatta-Track nach Westen auf den Stuart Highway abbiegt, nehmen wir die Finke River Road direkt nach Norden, direkt nach Alice. Diese Strecke ist nur schwer zu finden und führt über Farmen und trockene Schlamm-Pfannen. Spätestens bei der Durchquerung des trockenen Flussbettes des Finke Rivers wissen wir, warum dieser Track für „4×4 only“ ist. Es ist sandig und hügelig. (Auf der Strecke werfen wir den Dachgepäckträger dann weg!) Glücklich erreichen wir Alice Springs und genießen ein Eis in dem Einkaufszentrum mit Air Condition. Es liegen nun ca. 400 km auf geteerten Straßen vor uns. Von Alice 200 km nach Süden auf dem Stuart Highway, dann noch mal 200 km in westlicher Richtung bis Ulara, dem Ayers Rock Tourist Resort. In der Abenddämmerung besteigen wir den Ayers Rock. Es ist unglaublich! Ein einzelner, riesiger, roter Stein, der da in der Wüste rum liegt. Wenn man außen herumläuft, sind es 9 km. Unten regt sich kein Lüftchen, aber oben ist es fast stürmisch. Da in der Abenddämmerung alle Touristen auf der „Sunset-Viewing-Area“ sind, haben wir den Stein ganz für uns allein. Aber wir müssen uns beeilen. Bevor es ganz dunkel ist, müssen wir unten sein. Der Abstieg ist kein Kinderspiel, es ist sehr steil und es sind schon eine Menge Touristen abgestürzt.
In der Dunkelheit verlassen wir den Park in abermals westlicher Richtung. Am Rande des Gunbarrel Highways campen wir im Busch. Wir wollen nun die Warburton Road fahren, etwa 1.400 km bis Laverton in West Australien. Auf dieser Strecke begegnen uns vielleicht zehn Geländewagen – mehr nicht. Zwei kleine Dörfer und ein Roadhaus gibt es auf der Strecke. Am ersten Tag fängt der Landy an zu stottern und fährt dann nur noch ganz langsam im ersten Gang mit Choke. Ich zerlege den Vergaser am Rande des Tracks und finde in ihm viele Stückchen der nicht benzinfesten Dichtungsmasse, die wir zur Abdichtung des Tankgebers benutzt haben. Diese Stückchen hatten wir aber auch schon jeden dritten Tag in der Benzinleitung. Sandra findet es unglaublich, dass ich den Vergaser einfach so zerlege, aber ich bin guter Dinge und schicke auch den entgegenkommenden Landy dankend weiter. Mit dem gereinigten Vergaser geht es weiter.

Als erstes erreichen wir Warrakurna mit der Giles Weather-Station. Fünf Meteorologen beschäftigen sich hier für ein halbes Jahr mit dem Wetter, bis sie von dem nächsten Team abgelöst werden. Eines dieser Teams hat mich 1994 gefunden, als ich mich mit meinem Motorrad überschlagen habe.
Als nächstes erreichen wir Warburton. Eine Aboriginie-Siedlung mit einem kleinen Roadhouse. 572 km sind es von hier nach Laverton … ohne jegliche Versorgung. Deshalb haben wir drei 20-Liter-Benzinkanister dabei. Verwunderlich nur, dass wir schon nach 300 km an ein nagelneues Roadhouse kommen. Die Inhaber klagen uns ihr Leid, es ist schwer auf den Karten eingezeichnet und in den Reiseführern genannt zu werden.
Und natürlich versäumen die beiden anderen Roadhäuser auch gern, diese neue Tankgelegenheit zu erwähnen. So können sie noch ein paar Liter Benzin extra und eventuell sogar Kanister verkaufen.
Auf der letzten Strecke versperrt uns ein Buschfeuer die Piste. Die Flammen schlagen über den Track und der Rauch nimmt einen die Luft zum Atmen. In einem günstigen Moment fahren wir durch den Rauch auf die andere Seite des Feuers. Obwohl wir uns der Unsinnigkeit unseres Vorhabens bewusst sind, steigen wir aus und löschen ein paar kleinere Brandherde mit Schaufel und Klappspaten. Vielleicht haben wir wenigstens eine Insel von Spinifix-Gras in der Wüste gerettet.

Wieder in der „Zivilisation“ angekommen übernachten wir auf einem Campingplatz in Leonora. Fließend Wasser kann etwas ganz tolles sein, man weiß das manchmal gar nicht mehr zu schätzen. In Kalgoorlie besuchen wir das Goldminen-Museum und werfen auch einen Blick in das „Big Hole“. Hier wird Gold im Tagebau abgebaut. Nur 2,5 g Gold gewinnt man pro Tonne … und doch scheint es sich zu lohnen. Riesige Trucks fahren 200 Tonnen Erz pro Fuhre aus dem großen Loch. Ein unglaubliches Schauspiel. Entlang der einen Meter dicken Wasser-Pipeline fahren wir westlich und biegen dann nach Süden ab. In Hayden bestaunen wir den „Wave Rock“ und besuchen noch einen Bekannten auf seiner Schaffarm.
Schon am nächsten Tag erreichen wir Perth und haben damit unsere Ost-West-Durchquerung geschafft. Wir fühlen uns prächtig.
Während Sandra die schöne Stadt Perth besucht, versuche ich den Land Rover zu verkaufen. Leider wird mir nicht einmal die Hälfte von unserem Kaufpreis geboten. Auf unsere Anzeige meldet sich nur ein Anrufer, der wissen will warum unser Landy so teuer ist. Telefonisch kontakte ich den Landy-Spezi in Melbourne, wo wir ihn gekauft haben. Er bietet mir am Telefon einen Preis, mit dem wir leben können, und so geht unser Landy per Spedition auf eine Reise zurück nach Melbourne.
In einem Mietwagen nutzen wir unseren letzten Tag für einen Ausflug in die Pinnacles nördlich von Perth. In einem gelben Sandmeer stehen von der Natur aufgestellte Steine, im Hintergrund der blaue Indische Ozean – wunderschön.
Mit diesen Eindrücken im Kopf setzen wir uns ins Flugzeug und fliegen zurück nach Hamburg. Schon am nächsten Tag gehen wir bei eisiger Kälte auf der zugefrorenen Elbe spazieren und alles scheint wie ein Traum.

 

 

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